Wahrscheinlich habt ihr ebenfalls die beiden Worte „Mee too“ (Deutsch: ich auch) in vielen Posts von Frauen während der letzten Tage gelesen.

Dies alles begann vor ein paar Tagen mit dem einfachen Tweet von Alyssa Milano mit diesen zwei Worten, und das hat momentan eine große Wirkung auf die Welt.
Die Schauspielerin schrieb, inspiriert von einem Freund, dass solch ein Tweet „den Leuten eine Vorstellung von der Größe des Problems geben könnte“.

„Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreibe ‚me too‘ als Antwort auf diesen Tweet.“

Was als nächstes passierte, ist wirklich traurig: Ihr Tweet hat sich rasant im Netz verbreitet, und unzählige Frauen aus der ganzen Welt schreiben momentan ‚me too ‚ in ihren Status und teilen ihre unglaublichen Geschichten von sexueller Belästigung online mit anderen.

 

Und jetzt schreibe auch ich hier ‚Me too‘ mit dem heutigen Blogpost.

Ich bin glücklicherweise jemand, dem bis jetzt nichts wirklich ernsthaft Böses passiert ist, aber es hat genug Vorfälle in meinem Leben gegeben, die mich heute dazu zu bringen, diese zu erzählen.

Ich sage auch „Me too“, weil ich bereits vor langer Zeit aufgehört habe, die Vorfälle zu zählen, in denen ich blöd angemacht, sexuell belästigt oder mit einem widerlichen, schmutzigen Satz angesprochen wurde.

 

Ein Problem unserer Gesellschaft

Insgeheim wissen die meisten Leute, dass ’solche Dinge oft passieren‘.

Aber viele Frauen schweigen – ich ja bisher auch -, weil es erniedrigend ist und sich peinlich anfühlt, darüber zu reden. Es lässt uns Frauen schwach wirken oder uns wie ein Opfer fühlen. Also haben wir alle zu lange geschwiegen; und Männer, die diese Dinge mit Frauen tun, können einfach weiter machen wie bisher, und denken vermutlich auch noch, dass das völlig legitim ist. Ich persönlich kenne nicht eine einzige Frau, die nicht von Männern zumindest mal unangenehm angesprochen wurde.

Ich habe in letzter Zeit sehr viel über das alles im Internet gelesen. Im Online-Status meiner Freunde. Ich höre Leute darüber reden. Frauen werden überall und ständig belästigt. Und jene Männer, die es tun, scheinen ihr falsches Verhalten einfach nicht zu bemerken.

Dies ist ein ernstes Thema, das bereits viel zu lange unterdrückt wurde – und wenn Frauen sich dagegen aussprechen, werden sie oft als Feministinnen oder Männerhasser abgestempelt – was mit Sicherheit nicht wahr ist.

Wann hat unsere Gesellschaft akzeptiert, so zu leben?
Wann haben diese Männer angefangen zu denken oder zu entscheiden, dass es okay ist zu tun, was sie tun?
Und wann haben sich Frauen entschieden, das alles in Ordnung zu finden?

Ich kann keinen einzigen Grund sehen weiterhin einfach zu akzeptieren, dass ’solche Dinge passieren‘.

 

Lasst mich ein paar meiner Me too Geschichten erzählen, bei denen mir es mir immernoch kotzübel wird:
  • Fangen wir doch mit den ‚regelmäßigen‘ Vorfällen an: Die unzähligen Male bei denen Männer meine privaten Lady-Bereiche wie zufällig berührt haben – oder auch nicht zufällig – bei Besuchen in Bars oder Clubs (diese waren dann oft auch betrunken), oder sie haben sich gleich von hinten an mich rangerubbelt, ohne dass ich ihr Gesicht bisher gesehen hatte.
  • Dann geht es weiter mit diesem einen Typen, der meinen Arm berührte und mich fragte, ob ich mit ihm auf die Toilette gehen möchte – und das als ich gerade eben beim Betreten einer Bar war.
  • Oder dieser andere Kerl (der Sänger einer Band), der nach der Show auf mich zukam und mit mir in mein Auto kommen wollte um ‚Dinge zu tun‘, bevor er überhaupt nach meinem Namen fragte.
  • Auf dem Heimweg von der Grundschule stand dieser Mann mitten auf dem Bürgersteig und schwang seine nackten Genitalien vor uns Kindern herum.
  • Ein Lehrer in der Schule, der mich mehrmals ‚Miezekätzchen‘ nannte, obwohl ich ihm oft genug gesagt habe, dass ich es nicht leiden kann, wenn er das tut. Er wahr ungefähr vier Mal so alt wie ich.
  • Als ich 14 Jahre alt war und auf einer Straße in München spazieren ging, rief mir ein Typ von der anderen Seite zu und fragte: „Wie viel?“ Meine Mutter und einige andere Mädchen waren direkt neben mir.
  • Die verschiedenen Bilder von nackten männlichen Privatteilen, die ich von Fremden erhielt, ohne dass ich je danach gefragt habe.
    Ich. Will. Euer. Zeugs. Einfach. Nicht. Sehen.
  • Ich habe euch ja bereits in meinem letzten Beitrag von meiner Erfahrung in der Modelbranche berichtet, als ich euch eröffnet habe, warum ich nein zur großen Modelindustrie gesagt habe. Tatsächlich gab es viele Gründe, die mich dazu veranlassten, es nicht hauptberuflich zu tun. Ein weiterer Grund war zum Beispiel, dass einige der einflussreichen Leute, die ich getroffen habe, während einer öffentlichen Veranstaltung auf mich zukamen und mir gegen meinen Nacken atmend ins Ohr flüsterten, dass ich besser mit ihnen zur privaten Poolparty kommen sollte, weil das ‚vorteilhaft‘ für meine Karriere sein könnte.
    Es gibt auch Designer da draußen, die ihre Models durch Sex mit ihnen ‚casten‘, da diese sonst den Job nicht bekommen würden. Das ist mir persönlich jetzt zum Glück nicht passiert, aber ich habe miterlebt, wie einige darüber prahlten.
    Und nur um das gesagt zu haben: genaz bestimmt ist nicht die ganze Industrie ist so, aber es gibt immer wieder schwarze Schafe wie in jeder anderen Branche, und ich hatte leider das Pech einigen von diesen zu begegnen. Natürlich tun die Models, die einem solchen Deal zustimmen, das ja irgendwo freiwillig (um angeblich die Karriere zu fördern), aber macht dies das Angebot selbst in Ordnung?
  • Der nächste Zwischenfall geschah vor einigen Jahren in Berlin während der Fashion Week mit Isabelle Gloria. Wir fuhren spät abends wieder mit der Straßenbahn zu unserer Bleibe, und gegenüber von uns saßen zwei Männer, die uns die ganze Zeit mit düsteren, lustvollen und entkleideten Blicken ansahen, ständig miteinander flüsterten und sich sogar irgendwann aufteilten um sich links und rechts von uns in den Weg zu stellen. Sie hatten eindeutig etwas geplant, und wir wollen uns immer noch nicht vorstellen, was es war. Das klingt vielleicht etwas paranoid, aber Energie lügt nie, und das war eindeutig eine ernste und gefährliche Situation in der wir waren, und mit jeder Haltestation, die wir weiterfuhren, verließen mehr und mehr Leute die Straßenbahn, und wir wurden immer einsamer und ängstlicher, denn wir wussten nicht, was wir tun sollten. Wir mussten bis zur Endstation fahren, also haben wir versucht ruhig zu bleiben und zu wirken, aber innerlich wir waren wir in Panik. Vermutlich hofften wir, dass sie aussteigen würden, was sie aber nicht taten. Schlussendlich war niemand mehr in der Bahn übrig, den wir hätten um Hilfe bitten können. Ohne Worte hatten Isabelle und ich dann den gleichen Plan – vielleicht weil wir in Gedanken so sehr miteinander verbunden sind, oder vielleicht auch weil es unsere einzige Chance war. Also verließen wir die Bahn an der vorletzten Haltestelle, die ebenfalls wie ausgestoben leer war, und die Männer verließen natürlich auch die Bahn. Sie gingen vor uns her und hielten an, um darauf zu warten, bis wir an ihnen vorbeigingen. Aber bevor wir das taten, hielten auch wir an und ich tat so, als suche ich nach etwas in meiner Handtasche. Endlose Sekunden verstrichen und sie warteten immer noch in kleiner Entfernung auf uns. Als wir schließlich das Signal hörten, dass die Türen der Straßenbahn sich schließen würden, rannten wir beide los und sprangen durch den kleinen Schlitz der sich schließenden Türen, und dadurch kamen wir schließlich von ihnen weg.
    Ich kann immer noch nicht atmen während ich dies schreibe, weil es eben so eine schreckliche Erfahrung war. Wir hatten damals einfach nur so unfassbar viel Glück.

Und die Liste geht weiter. Dieses ganze Thema ist auch nicht nur eine geschlechtsspezifische Sache. Frauen können ebenfalls anderen Frauen gegenüber ziemlich aufdringlich sein. Das weiß ich, weil ich das auch schon erlebt habe.

 

Schieb es nicht auf die Kleidung

Jemand, der sagt: „Ja war doch klar, schau dich nur an: so wie du dich anziehst ist das kein Wunder.“ verdient einen Schlag ins Gesicht. Es tut mir leid, aber das tut derjenige auf jeden Fall.

Und es ist unter wirklich keinen Umständen in Ordnung für jemanden zu sagen: „Aber sie wollte es ja so, mit dieser Kleidung und dem ganzen Make-up.“

Lasst mich hier eins klarstellen: KEINE FRAU hat jemals darum gebeten, belästigt, beleidigt oder gar vergewaltigt zu werden. Keine Frau will oder wollte ein Opfer sein.

Es geht nicht um Looks oder Kleidung oder Make-up. Es geht um ein viel größeres Problem, vor dem die meisten Menschen leider ihre Augen verschließen. Es geht um die falsche Erziehung einer ganzen Gesellschaft, um Manieren und mangelnden Respekt vor anderen Menschen.

Aber wie kann es für uns leichter werden, wenn man zum Beispiel nur das Radio an macht – und dort geht es bei den Songtexten meistens nur um ‚Bitches‘, Nacktheit und um Sex.

 

Als Frau leben

Das Leben als Frau kann ziemlich schwer sein, wie ihr sehen könnt.

Wenn wir Fotos für unseren Blog machen, möchten wir oft nichteinmal in der Nähe von Menschen sein. Wir wollen nur unseren Job machen: uns stylen und Fotos machen, weil wir das eben wirklich lieben. Weil wir uns wie uns selbst fühlen, wenn wir solche Dinge tun, und weil wir diesen kleinen Funken von uns auf dem Blog zeigen können, der Mode, Make-up, Frisuren und Accessoires wirklich liebt – alles weibliche Dinge eben. Weil wir es lieben kreativ zu sein, und weil wir dies und uns mit unseren Bildern künstlerisch ausdrücken wollen.

Aber es macht nie Spaß, wenn Dinge passieren wie zum Beispiel damals, als uns ein Mann eine ganze Zeit lang hinterherlief und uns mehrmals ansprach und fragte, wo er denn die Bilder denn dann sehen könnte – und er unsere Erklärung ‚vintage‘ wohl mit ‚bondage‘ verwechselt hatte (was er uns so im Gespräch vermittelte).

Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Looks, die wir auf unserem Blog teilen, ein Magnet für Aufmerksamkeit sind. Und in gewisser Weise wollen wir durch unser Aussehen ja auch Aufmerksamkeit erregen (ansonsten würden wir nicht tun, was wir tun), aber es gibt einen großen Unterschied zwischen „bewundern“ oder „Anerkennung zeigen“ und dem „Entkleiden“ eines anderen Menschen mit bloßen Augen, wenn man an uns vorbei geht. Oder uns mit Bullshit zuzutexten. Oder noch schlimmer: sexuell belästigende Aussagen machen, die uns Frauen so unangenehm sind, dass wir die Flucht ergreifen wollen.

Und im Ernst, wir kennen den Unterschied zwischen einem schönen Kompliment und einem anzüglichen Kommentar.

 

Nicht alle Männer sind gleich

Aber zum Glück sind wirklich nicht alle Männer so. Lasst uns deswegen keine Vorurteile gegenüber Männern generell schüren und behaupten, dass Männer alle so sind, denn das wäre die größte Lüge überhaupt. Dies soll heute auch nicht zu einem allgemeinen Frauen-gegen-Männer-Thema werden.
Ich bin sehr dankbar, dass es auf dieser Welt auch so viele wundervolle, höfliche und respektvolle Männer gibt, die gleich darüber denken wie wir Frauen; die völlig hinter uns stehen und uns dabei helfen unsere Stimme zu erheben, und die ebenfalls gegen diese Drecksäcke kämpfen, genauso wie wir Frauen das tun. Wir sollten diese Männer wirklich nicht vergessen und ihnen ein riesengroßes „Danke“ sagen.

 

Wir alle sollten zusammenhalten

Ich persönlich will nicht in Angst leben, und ich möchte auch Männer im Generellen nicht hassen, da dies überhaupt nichts ändern würde.

Aber ich möchte mich endlich aussprechen und klarstellen, dass es nicht in Ordnung ist, Frauen so zu behandeln.

Ich entscheide mich heute dafür, laut über das Thema zu sein.

Liebe Ladies, wir sind alle im gleichen Boot. Es liegt an uns und in unserer Verantwortung, uns gemeinsam dagegen auszusprechen und der Welt und unserer Gesellschaft zu sagen, dass es NICHT OK ist, belästigend, missbräuchlich oder respektlos gegenüber Frauen zu sein.

Es ist Zeit unsere gottgegebene Weiblichkeit zurückzufordern und zu zeigen.

Es ist Zeit den Mund aufzumachen.

 

xx, all die besten Wünsche an euch und bleib stark,

 

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(Ursprünglich veröffentlicht am 19.10.2017 auf The Vintage Romance.)

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