Heute erzähle ich euch eine sehr persönliche Geschichte von mir. Ich nenne sie „Ein Akt der Selbstliebe – warum ich NEIN zur großen Model-Industrie gesagt habe“, denn das fasst alles zusammen, wie ich mich zu diesem Thema fühlte und fühlte.

 

Meine Geschichte

Damals, in meinen frühen Teenagerjahren, war ich sehr, sehr dünn. Nicht weil ich es unbedingt sein wollte, sondern einfach weil mein Körper natürlich superschlank war und ich ziemlich schnell zu einer großen Frau heranwuchs.

Damals erzählten mir die Leute, meist meine Klassenkameraden, immer wieder, dass ich viel zu dünn sei und dass ich an Gewicht zunehmen sollte. Sie haben sogar gelacht, weil ich so dünn war.

Ich wusste es damals nicht besser, also hörte ich auf das, was sie sagten. Ich versuchte deshalb an Gewicht zuzunehmen – weil ich mich anpassen wollte. Ich wollte nicht mehr das dünne Mädchen sein. Ich erinnere mich sogar daran, jeden Tag zwei große Tafeln Schokolade gegessen zu haben, nur um an Gewicht zu gewinnen (- was zum Glück nicht geklappt hat, wie ich heute sagen muss ;) …)
Und doch war ich immer noch das große, dünne Mädchen mit einem vermeintlich ‚verdrehten‘ Geschmack für dunkle Gothic-Mode, das nie hineinpasste.

Ein paar Jahre später kam ich zufällig mit der Model-Branche in Berührung – etwas, das ich mir damals nicht bewusst ausgesucht hatte, aber was mir passierte. Ich habe nur ein paar Chancen bekommen und genutzt, denn ich hatte nichts zu verlieren. Und Spaß hat es schließlich auch gemacht.

Aber als die Dinge sich entwickelten und die ganze Sache etwas ernster wurde, bekam ich die nächste Meinung aufgedrückt: mir wurde gesagt, dass ich zu dick sei. Hier ein Zitat von einer kräftigen, kleinen Frau in einer New Yorker Modelagentur: „Du siehst wirklich fett aus auf deinen Bildern.“
Bei einer Körpergröße von 1,76 m und meinem damaligen Körpergewicht von 56 KG wollten sie, dass ich noch 7 kg mehr abnehmen soll. Und wirklich alle sagten zu mir, ich sei zu dick: Modelagenturen, Fotografen, alle ‚wichtigen‘ Leute.

Jetzt war ich wirklich verwirrt. Also habe ich versucht all diese Jahre an Gewicht zuzunehmen nur um jetzt zu hören, dass ich das Gegenteil tun soll?

Als sich mir noch mehr Möglichkeiten boten, erinnere ich mich daran, wie ich mit Anfang 20 in New York und Paris in viele große – weltbekannte – Modelagenturen hineingegangen bin, und dass ich dort wie ein unwichtiges Stück Fleisch mit zu viel Gewicht behandelt wurde – auch noch etwas zu klein im Vergleich zu den professionellen Laufstegmodels in Paris und natürlich, wenn es um’s High-Fashion-Modeln geht, schon im Oma-Alter.

Dennoch, ein paar der Agenturen hatten sogar wirklich Interesse, aber mir wurde gesagt, dass mein Stil nicht stilvoll genug war, dass ich dieses und jenes tragen sollte und wie ein echtes „Model“ aussehen soll.

Sie ließen mich in Räumen voller Agenturleute auf und ab gehen um mich vorzustellen – was ich auch tat – aber diese Leute schauten nicht ein einziges Mal von ihren Monitoren auf.

 

Ein Traum, der sich in einen Alptraum verwandelte

Willkommen also in der Fashion-Model-Realität. Überhaupt nicht so glamourös. War das wirklich das Leben, das ich leben wollte? Um mich nur nach meiner ‚Hülle‘ bewerten zu lassen? Um mir von zu vielen unhöflichen Leuten sagen zu lassen, dass ich fett sei? Um mich nicht einmal mehr wie ein Mensch mit Gefühlen behandeln zu lassen?

Das war der Punkt, an dem ich deutlich NEIN sagte.

Ich habe nicht mehr abgenommen und ich bin auch nicht zu diesen Agenturen zurückgekehrt, weil ich für mich selbst entschied, dass ich mehr Respekt verdiene. Und wenn ich das alles getan hätte, was sie von mir wollten, dann hätte nicht einmal ich selbst Respekt oder Liebe für mich gezeigt, und mich in etwas verwandelt was ich nicht sein wollte.

Ich ließ also die reale Chance, für die größten Modelagenturen der Welt arbeiten zu können, verstreichen und wähle stattdessen mein eigenes wahres Glücklichsein. So viel Gewicht zu verlieren wäre für mich untragbar gewesen, zu viel Arbeit und Stress – und in einer Weise, die ich nicht mehr für gesund halte, weder für Körper noch für Geist. Nicht zu denken, was der Job dann auch noch aus mir gemacht hätte, wenn ich mich wirklich ernsthaft dafür entschieden hätte diesen Weg zu gehen.
Außerdem kenne ich mich wenn ich Hunger habe: ich werde zickig, launisch, mir wird schwindelig, ich werde gestresst und schlecht gelaunt. Ich konnte mir also nicht vorstellen, für immer hungrig zu sein, und mich abzumagern für ein Ideal, das mir nicht gefällt.

 

Ein Akt der Selbstliebe – eine Bauchentscheidung

Das war also der erste Moment, in dem ich bewusst Selbstliebe erlebte. Der Moment, als ich meinen eigenen Wert und mein innerstes Wesen erkannte, und als ich deutlich sah, dass es so unfassbar wichtig ist, nicht einfach Verlockungen zu verfallen, sondern immer auf das Bauchgefühl zu hören. Und mein Bauch schrie damals vor Qual, damit ich mich bloß nicht dieser Industrie übergeben soll, in der Menschen nur wie Waren behandelt werden. Heute bin ich so dankbar für diese Entscheidung.

Das Modeln, wie ich es heute tue, ist völlig anders, denn ich tue nur das, was ich tun möchte. Ich wähle selbst mit wem ich arbeite und wo mein Gesicht erscheinen soll. Ich bin mein authentisches Ich und bin keine leere Hülle, die einfach von jemand anderem benutzt werden kann.

Ich habe auch in den letzten Jahren mit kleineren Agenturen zusammengearbeitet, aber bis jetzt habe ich das meiste aus meiner eigenen Arbeit herausgeholt, weil es einfach eine Leidenschaft für mich ist, mich auszudrücken. Und ich liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Jetzt mache ich genau das, was ich will, und verwandle mich genau in das, was ich sein möchte, mit der Haarfarbe und dem Gewicht meiner Wahl, und ich liebe die Kleidung, die ich trage.
Bereits in meinen frühen 20ern habe ich mich dazu entschieden die Tatsache zu akzeptieren, dass ich niemals das durchschnittliche Mode-Mädchen sein werde.
Stattdessen entschied ich mich für das Glamouröse, das Außergewöhnliche, für Vintage und die subkulturelle Alternative. Ich entschied mich für mich, und ich habe diese Entscheidung nicht ein Mal bereut.

 

Meine Botschaft an Euch

Deshalb ist meine Botschaft an euch heute, dass ich euch ermutigen möchte, dasselbe zu tun: hört nicht auf andere Leute, und besonders nicht auf unhöfliche. Hört euch nichts an von Menschen, die euch unterkriegen wollen. Jeder hat seine eigene Meinung – was auch gut ist – aber es ist sehr wichtig, dass ihr eure eigene Meinung habt und eurem eigenen Bauchgefühl zuhört.

Es ist wichtig, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist. Ich konnte mich nicht zu einer durchschnittlichen Fashionista umändern, weil ich das einfach nie war, und warum sollte sich jemand anders also in etwas verwandeln, nur weil andere das so erwarten? Einfach mal nein. Geht euren eigenen Weg und wählt das Glücklichsein stattdessen. Lasst uns alle auf unsere eigene, einzigartige Weise leuchten.

 

 


In der ersten Woche, als ich mein Haar ganz neu Platinum-Blond gefärbt hatte vor ein paar Monaten, da erinnere ich mich an Leute, die zu mir sagten „nein, werd nicht hellblond, das passt nicht zu dir, das steht dir nicht, tu es nicht“... aber es war immer noch meine eigene Entscheidung und ich ich liebe es, dass ich das ausprobiert habe. Außerdem ist es mein Haar, und was könnte langweiliger sein, als für immer und ewig gleich zu bleiben? Niemand weiß jemals, was als nächstes kommt, nicht einmal ich tue das im Moment… ;) Und Veränderungen bringen auch neue Möglichkeiten.

 

Ich wollte mich frisch blondiert unbedingt von Black Spirit X fotografieren lassen, denn mein neuer Look erinnerte mich sehr stark an eine außerirdische, elfenhafte Rasse. Vielleicht auch ein bisschen an Herr der Ringe oder auch an Khaleesi… ;)

Es war ein wirklich herrlicher Moment kurz vor dem Sonnenuntergang im Frühlingsanfang, und wir nutzten das letzte warme Licht des Tages für diese Bilder. Im Hintergrund kann man sogar die Bäume sehen, die an diesem Tag mit dem Blühen anfingen.

Es ist immer magisch zu beobachten, wie die Jahreszeiten ineinander verschmelzen, ebenso wie die Natur es jetzt gerade im Moment tut: der Sommer wird zum Herbst.

Habt einen wundervollen Tag und nehmt die Veränderungen immer gerne an!
Tut immer, was auch immer ihr tun wollt und seid glücklich!

Küsschen,

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Fotos: www.bsx-world.com
Artwork von Elaine Valerie

 

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(Ursprünglich veröffentlicht am 12.10.2017 auf The Vintage Romance.)

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